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05.06.2012 17:15

Chemotherapie bei Älteren?

Ältere Patienten können laut Studie von Chemotherapie profitieren

Seit langem gilt bei älteren Glioblastompatienten aufgrund möglicher Nebenwirkungen einer Chemotherapie die alleinige Strahlentherapie nach Operation als Therapie der Wahl. Zwischen März 2005 und November 2009 wurde die Effektivität und Sicherheit von dosisintensiviertem Temozolomid gegenüber alleiniger Strahlentherapie in der NOA-08-Studie überprüft, deren Daten jetzt veröffentlich wurden. Insgesamt 373 Patienten mit histologisch gesichertem anaplastischen Astrozytom oder Glioblastom, die älter als 65 Jahre waren und einen Karnofsky-Index von mehr als 60 vorweisen konnten, wurden in einen der beiden Arme der randomisierten Studie eingeschlossen. Patienten im Chemotherapie-Arm wurde an 7 Tagen 100mg/m2 Temozolomid verabreicht, gefolgt von einer 7-tägigen Pause vor Start des nächsten Zyklus. Im Strahlentherapie-Arm wurde über 6 bis 7 Wochen die Gesamtdosis von 60 Gy in 30 Fraktionen à 1,8 bis 2 Gy appliziert.

 

Das mittlere Überleben lag in der Chemotherapie-Gruppe bei 8,6 Monaten (7,3-10,2), in der Strahlentherapie-Gruppe bei 9,6 Monaten (8,2-10,8). Das mittlere progressionsfreie Überleben zwischen beiden Gruppen unterschied sich nicht signifikant (Chemotherapie 3,3 Monate [95% CI 3,2-4,1] vs Strahlentherapie 4,7 Monate [4,2-5,2]). Dagegen konnte ein Zusammenhang zwischen MGMT-Promotor-Methylierung und längerem Überleben festgestellt werden (11,9 Monate [9,0 bis über das Ende der Studie hinaus] bei methyliertem MGMT-Status vs 8,2 Monate [7,0-10,0] bei unmethyliertem MGMT-Status). Bei Patienten mit einer MGMT-Promotor-Methylierung, die Temozolomid erhalten hatten, lag das mittlere progressionsfreie Überleben bei 8,4 Monaten (5,5-11,7), bei Patienten, die eine Strahlentherapie erhielten, bei 4,6 Monaten (4,2-5,0). Ohne die MGMT-Promotor-Methylierung lag das progressionsfreie Überleben unter der Chemotherapie dagegen im Mittel bei 3,3 Monaten (3,0-3,5), unter einer Strahlentherapie bei 4,6 Monaten (3,7-6,3).

 

Die häufigsten Nebenwirkungen waren Neutropenien (16 Patienten der Temozolomid-Gruppe vs zwei Patienten der Strahlentherapie-Gruppe), Lymphozytopenien (46 Patienten vs 1 Patient), Thrombozytopenien (14 Patienten vs 4 Patienten), erhöhte Leber-Enzym-Konzentrationen (30 Patienten vs 16 Patienten), Infektionen (35 Patienten vs 23 Patienten) und Thrombosen (24 Patienten vs 8 Patienten).

 

Als Schlussfolgerung der Studienergebnisse kann festgehalten werden, dass ältere Patienten insbesondere bei methyliertem MGMT-Status von einer Chemotherapie profitieren können. Inwieweit dies das Risiko möglicher Nebenwirkungen rechtfertigt, muss für den Einzelfall entschieden werden.

 

© 05.06.2012 mth, Deutsche Hirntumorhilfe e.V. | www.hirntumorhilfe.de
 

 
Quelle:
Wick et al. (NOA-08 Study Group),
Temozolomide chemotherapy alone versus radiotherapy alone for malignant astrocytoma in the elderly: the NOA-08 randomised, phase 3 trial, The Lancet Oncology, Early Online Publication, 10 May 2012.

 
 

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