News Details
Aktuelles
Viren gegen Gliome?
Tumorzellen sollen durch selektive Viren zerstört werden
Viren sind normalerweise als Verursacher von Krankheiten bekannt und können maßgeblich an der Krebsentstehung beteiligt sein.
Als man Parvoviren, die unter normalen Umständen für den Menschen ungefährlich sind, in Tumoren von Nagetieren fand, hatte man sie im Verdacht, diese auch auszulösen. Bald stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei um eine Infektion handelte, bei der sich die Viren bevorzugt im Tumorgewebe vermehren, da sie dort die besten Bedingungen vorfanden.
Dieses Wissen eröffnete neue Möglichkeiten für die Erforschung von Therapien gegen Krebs. Verschiedene Parvo- und verwandte Viren werden derzeit erprobt. Dabei kommen onkolytische Viren zum Einsatz, die für gesunde Zellen unschädlich sind. Für Tumorzellen sind die Viren aber tödlich. Momentan befinden sich die meisten Untersuchungen noch in der Laborphase, in der diese Methode an einzelnen Zellen oder Mäusen getestet wird.
Im Oktober 2011 ist für Glioblastom-Patienten mit Rezidiv am Universitätsklinikum Heidelberg eine frühe klinische Studie (I/IIa) angelaufen. Eingesetzt wird die Subspezies H-1 der Parvoviren. Die Viren werden vor der ersten Rezidivoperation in den Rezivtumor eingebracht. Nach zehn Tagen wird operiert und es werden abermals Viren in die nun entstandene Höhle eingebracht.
An der Studie können insgesamt 18 Patienten teilnehmen. Ziel ist es, Verträglichkeit und grundsätzliche Wirksamkeit der neuen Therapie zu belegen.
Die Methode der Tumorinfektion variiert bei dieser Studie. So erhält die erste Gruppe Patienten das Virus durch eine Operation, in der mittels Katheter Viren direkt in den Tumor eingebracht werden. Der zweiten Gruppe Patienten wird das Virus dagegen direkt in die Blutbahn injiziert. Auf diese Weise sollen eventuell vorhandene Unterschiede der Methoden im Hinblick auf Komplikationsraten und Effektivität untersucht werden.
© 08.12.2011 gd, Deutsche Hirntumorhilfe e.V.






