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PCV beim Gliom Grad 2

Alleinige PCV-Chemotherapie bei Oligodendrogliom WHO-Grad 2 wirksam

 

Die Rolle der alleinigen Chemotherapie bei neudiagnostiziertem Oligodendrogliomen vom WHO-Grad 2 nach Biopsie, inkompletter oder Totalresektion bleibt umstritten. Wissenschaftler der Neurochirurgie am Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München analysierten retrospektiv das klinische Ergebnis von vier Patientenkohorten, die entweder mit Procarbazin, CCNU und Vincristin (PCV) oder Temozolomid (TMZ) nach Biopsie, nur durch eine Resektion oder durch Abwarten nach Biopsie behandelt worden waren.

 

Insgesamt 142 Patienten aus den Jahren von 2003 bis 2019 mit molekular definiertem Oligodendrogliom wurden in die vier Kohorten eingeteilt. Die wait-and-scan-Kohorte nach stereotaktischer Biopsie umfasste 59 Patienten, die Kohorte nur mit chirurgische Resektion 27 Patienten, 26 Patienten wurde nach Biopsie mit TMZ behandelt und 30 Patienten nach Biopsie mit PCV. Analysiert wurden das progressionsfreie Überleben (PFS), das PFS nach Rezidiv und die Rate der histologischen Progression bis Grad 3.

 

Das längste PFS zeigten die Patienten, die mit PCV behandelt worden waren (9,1 Jahre), verglichen mit 5,1 Jahren nach wait & scan, 4,4 Jahren nach alleiniger chirurgischer Resektion und 3,6 Jahren nach TMZ. Die Rate der histologischen Progression von Grad 2 auf 3 innerhalb von 10 Jahren betrug 9% in der PCV-, 29% in der waint & scan-, 67% in der Resektions- und 75% in der TMZ-Kohorte (p = 0,01). In der wait & scan-Gruppe hatten Patienten, die beim ersten Rezidiv mit PCV behandelt wurden, ein längeres PFS nach der Intervention als diejenigen, die mit TMZ behandelt worden waren (7,2 vs. 4,0 Jahre, p = 0,04). Die multivariate Analyse identifizierte ein kleineres Tumorvolumen vor jeder Intervention (p = 0,02) als prognostisch günstig für das PFS.

 

Zusammenfassend deuten die Daten stark darauf hin, dass die PCV-Chemotherapie eine wichtige Substanzkombination in der Behandlung des Oligodendroglioms vom WHO-Grad 2 nach Biopsie oder Resektion ist, da sie das PFS verlängert und die maligne Progression möglicherweise verzögert, so die Wissenschaftler. Temozolomid hingegen scheint in dieser Untersuchung eine untergeordnete Rolle bei der Behandlung niedriggradiger Oligodendrogliome zu spielen.

 


Quelle:
Weller, J., Katzendobler, S., Karschnia, P. et al. PCV chemotherapy alone for WHO grade 2 oligodendroglioma: prolonged disease control with low risk of malignant progression. J Neurooncol 153, 283–291 (2021). https://doi.org/10.1007/s11060-021-03765-z

 

© 28.06.2021 mst, Deutsche Hirntumorhilfe e.V. | www.hirntumorhilfe.de