Patienten fragen Prof. Tonn

Zum Vortrag: Möglichkeiten und Grenzen der Neurochirurgie

Warum bilden sich Rezidive meistens am Ursprungsort?

„Neben dem eigentlichen Kern des Tumors, in einer Entfernung von ca. 2 cm, befindet sich Gewebe, welches noch 10 % der Tumorzellen beinhaltet. Daher ist hier die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich ein Rezidiv bildet als im weiter entfernten Bereich, in dem sich nur einzelne Tumorzellen befinden. […] Je länger die Patienten leben, desto größer wird die Anzahl an Rezidiven, die weiter vom Ursprungsort entfernt liegen.“



Wann führt man ein FET-PET durch?

„Wir machen ein FET-PET, wenn wir befürchten, dass der Tumor bereits bestimmte Strukturen infiltriert hat oder noch an anderer Stelle sitzt als dort, wo eine Kontrastmittelaufnahme zu sehen ist. Bei einem Rezidiv führen wir ein FET-PET häufiger durch. Eine der Domänen dieser Untersuchung ist die Unterscheidung der echten Rezidive von den sogenannten Pseudorezidiven, welche nicht nur nach  Radio-Chemo-Therapie, sondern auch nach lokalen Bestrahlungen auftreten können. Immer wenn wir im Zweifel sind, ob es sich wirklich um ein Rezidiv handelt, machen wir die PET-Untersuchung.“


Sollte man vor einer Rezidiv-Operation immer eine Biopsie machen?

„Die Biopsie hat dann ihren Stellenwert, wenn die Resektion des Rezidivs nicht zur Diskussion steht und vom Ergebnis der Biopsie eine Behandlungskonsequenz abhängt, z.B. eine Re-Bestrahlung. Wenn man aber an neue Behandlungsmöglichkeiten der targeted therapie denkt, kann es sein, dass zukünftig auch bei Rezidiven häufiger Biopsien durchgeführt werden, um festzustellen, ob ein Patient für eine spezielle zielgerichtete Therapie in Frage kommt.“



Kann tatsächlich Entwarnung gegeben werden, wenn bei einem Oligodendrogliom Grad III nach der Primärtherapie keine Kontrasmittelaufnahme festgestellt werden kann?

„Das würde ich so nicht unterschreiben. Denn die nicht Kontrastmittel aufnehmenden Anteile des Tumors sind genauso wichtig. Hier müsste man unbedingt in den T2-Bildern und den Flair-Sequenzen nachschauen, ob sich daran etwas verändert. Wenn nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob der Tumor wächst oder nicht, sollte zukünftig häufiger volumetriert werden. Nur so weiß man, ob das Volumen tatsächlich zunimmt oder nicht, woraus sich dann therapeutische Konsequenzen ergeben können.“

 


Ist eine Biopsie empfehlenswert, wenn ein low-grade Gliom seit zwei Jahren keine Veränderungen aufweist, aber dennoch neurologische Ausfälle auftreten?

„Die Frage ist vor allem, ob der Tumor überhaupt schon histologisch untersucht wurde. Wenn das nicht der Fall ist, würde ich dringend dazu raten, vor allem auch um den IDH-Status festzustellen. Handelt es sich um einen IDH-Wildtyp, sollte recht bald eine Behandlung angestoßen werden. Wurde bereits eine Biopsie durchgeführt, kann der IDH-Status auch nachträglich am vorhandenen Gewebe bestimmt werden.“

 


Welche Aussage haben genetische Marker bei Gliomen im Kindesalter?

„Kinder haben in der Regel andere Tumoren als die im Erwachsenenalter auftretenden Gliome; häufig sind Medulloblastome oder Ependymome. Für beide Tumor-Entitäten ist die Kenntnis der molekularen Marker sinnvoll und für einige Fälle prädiktiv im Hinblick auf das Ansprechen auf eine Therapie. Das gilt inzwischen auch für das Hirnstammgliom im Kindesalter, eine Entität, die früher aufgrund der Risiken des Eingriffs überhaupt nicht biopsiert wurde. Bei diesem Tumor trennen die molekularen Marker die guten von den schlechten Verläufen und sind daher ausschlaggebend für die Therapieentscheidung.“

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