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19.04.2017 16:25

Methadon in der Gliomtherapie?

Retrospektive Untersuchung von Gliompatienten

 

Anlässlich der jüngsten Medienberichterstattung über Methadon als Ergänzungsmedikation zur Chemotherapie bei Hirntumorpatienten fassen wir die Ergebnisse der Veröffentlichung zum Einsatz von Methadon in der Gliomtherapie (Anticancer Research 37, 02.2017) nachfolgend zusammen:

 

Ergebnisse aus Untersuchungen an Zellkulturen zeigten, dass das Opioid D,L-Methadon die Empfindlichkeit verschiedener Tumorzellen unter Chemotherapie erhöhen kann. Infolgedessen wurde zur Frage der Sicherheit und Verträglichkeit von D,L-Methadon als Zusatz zur chemotherapeutischen Behandlung der Verlauf der Erkrankung bei 27 Gliompatienten retrospektiv ausgewertet, die D,L Methadon im Rahmen eines individuellen Heilversuchs während der Chemotherapie einnahmen.

12 Patienten mit einem primären Glioblastom erhielten D,L-Methadon in Kombination zur Erstlinien-Chemotherapie (Stupp-Schema); sechs Patienten begannen mit der zusätzlichen Einnahme von D, L-Methadon zum Zeitpunkt eines ersten Rezidivs, ein Patient zum Zeitpunkt eines zweiten Rezidivs; sechs weitere Patienten wurden aufgrund eines rezidivierten Grad-III-Glioms behandelt. In der Rezidivsituation wurde D,L-Methadon mit unterschiedlichen Chemotherapeutika kombiniert.

 

D,L-Methadon wurde schrittweise über zwei bis drei Wochen aufdosiert bis zu einer regelmäßigen täglichen Einnahme von 15-35 mg (in Abhängigkeit der Verträglichkeit). Während der Aufdosierungsphase traten bei 13 der 27 Patienten Nebenwirkungen auf (Übelkeit, Ängstlichkeit, Fatigue, Verstopfung, Schwitzen), wobei diese bei zwei Dritteln der Patienten vier Wochen nach Beginn der Therapie vollständig zurückgingen. Als häufigste bleibende Nebenwirkung gaben drei Patienten Verstopfung und ein Patient Übelkeit an. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf.

 

Von den 12 Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom waren 11 Patienten über einen Zeitraum von 6 Monaten progressionsfrei; von den 7 Glioblastompatienten, die zum Zeitpunkt eines Rezidivs mit der zusätzlichen Einnahme von D,L-Methadon begannen, waren nach 6 Monaten 4 progressionsfrei. Demnach entspricht das Outcome der kombiniert behandelten Patienten wenigstens dem der historischen Kontrollgruppen.

 

Da es sich um eine retrospektive Untersuchung mit einer sehr geringen Teilnehmerzahl handelte, kann anhand der Daten nicht geschlussfolgert werden, inwieweit die zusätzliche Gabe von D, L-Methadon den Therapieerfolg bei Patienten mit einem malignen Gliom beeinflusst. Es ist daher notwendig, den möglichen therapeutischen Effekt von D,L-Methadon in Kombination mit zugelassenen Chemotherapeutika in einer randomisierten, prospektiven klinischen Studie zu untersuchen.

 

Quellen: Onken J, Friesen C, Vajkoczy P, Misch M: Safety and Tolerance of D, L-Methadone in Combination with Chemotherapy in Patients with Glioma. Anticancer Research 37: 1227-1236 (2017)

 

© 14.04.2017 bdr, Deutsche Hirntumorhilfe e.V. | www.hirntumorhilfe.de

 
 

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