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Hirntumor-Informationstag 2018

Dr. Hassenbusch

Niemals aufgeben

Erinnerungen an Dr. Samuel Hassenbusch



Mit 51 Jahren stand Dr. Samuel Hassenbusch als Neurochirurg und renommierter Schmerzspezialist am Anderson Cancer Center in Houston auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Mehr als 500 Patienten mit Hirntumoren hatte er bis dahin operiert. Ungefähr 150 Mal entfernte er dabei auch bösartige Hirntumoren.

 

Im April 2005 setzten bei ihm Kopfschmerzen ein. Zunächst hielt Dr. Hassenbusch sie für Stresssymptome oder Migräne, nahm Schmerzmittel. Doch als sie nach vier Wochen immer noch nicht abklangen, unterzog er sich einer Magnetresonanztomographie. Er sah den mehr als sieben Zentimeter großen Schatten am Schläfenlappen direkt am rechten Auge auf der MRT-Aufnahme seines Kopfes und wusste sofort, worum es sich handelte: es war ein Glioblastom, einer der aggressivsten Hirntumoren bei Erwachsenen.

Eine der schwierigsten Aufgaben war es nun, seine Frau Rhonda über Glioblastome aufzuklären. Wie er selbst sagte, war es eine bizarre Situation. Es kam ihm wie eine Ironie des Schicksals vor, dass ausgerechnet ein Neurochirurg, der unzählige Hirntumorpatienten operiert hatte, nun selbst an einem Hirntumor erkrankt war. Die nächste Nacht verbrachten er und Rhonda mit quälenden Fragen, wie es jetzt weiter gehen sollte. Nicht nur gesundheitlich, sondern auch finanziell. War die Lebensversicherung und die Arbeitsunfähigkeitsversicherung regelmäßig bezahlt worden?

Als nächstes stellte sich die Frage nach der optimalen Therapie. Hassenbusch hatte es unzählige Male erlebt, wie Glioblastome das umliegende Gehirn mit Tumorzellen infiltrieren. Selbst wenn der sichtbare Teil seines Tumors komplett entfernt werden sollte, würde er ohne eine aggressive Langzeittherapie mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit zurückkommen. Es galt eine Wahl zwischen der Standardtherapie und einem noch nicht genau erforschten Verfahren zu treffen.

Die Entscheidung fiel. Nach seiner Operation und anschließender Strahlentherapie meldete sich der Neurochirurg freiwillig für eine klinische Studie bei seiner Kollegin Dr. Amy Heimberger an. Sie erforschte einen neuen Ansatz in der Immuntherapie. Dabei wurden dem Patienten Mittel gespritzt, die auf ein bestimmtes Eiweiß in Tumorzellen reagieren und diese Zellen attackieren. Nur etwa die Hälfte aller Glioblastome weist dieses Eiweiß auf. Hassenbuschs Tumor gehörte dazu.

Frau Dr. Heimberger stand vor der Entscheidung, Hassenbusch die Immuntherapie oder die standardmäßige Chemotherapie zu verabreichen. Hassenbusch entschied sich für beides. Als seine Ärztin einwendete, dass diese Kombination zwar an Mäusen, aber noch nicht bei Hirntumorpatienten getestet wurde, entgegnete Hassenbusch: „Machen Sie sich keine Sorgen. Betrachten Sie mich einfach als übergroße Laborratte und legen Sie los.“

Während der Therapie blieb Hassenbusch nicht untätig. Er arbeitete weiter, kümmerte sich um Patienten. Er tat, was er seinen Patienten empfahl, er blieb aktiv und setzte sich Ziele. Ein Jahr nach der Diagnose nahm er als Läufer an Benefizveranstaltungen teil, die sich für Krebspatienten einsetzten. Um anderen Patienten Mut zu machen, trat er öffentlich auf, sprach und beriet Patienten. Und er begann ein Buch mit dem Titel „Arzt, heile dich selbst“.

Am 12. Februar 2007, fast zwei Jahre nach der Diagnose, zeigte sich auf der neuen MRT-Aufnahme seines Kopfes kein Tumor. Für einen Glioblastom-Patienten ist es eine erstaunlich lange Überlebenszeit ohne Beschwerden. Hassenbusch verbrachte diese Zeit als hingebungsvoller Arzt, der auch per E-Mail Menschen über Hirntumoren aufklärte und sie ermutigte, nichts unversucht zu lassen. Er genoss sein Leben, unternahm viel mit seiner Familie.

Für andere Hirntumorpatienten wurde er zum inspirierenden Vorbild. „Das Leben muss nicht vorbei sein, nur weil du Krebs hast“, bekräftigte er. „Das Leben lässt dich nicht die Karten austeilen, es gibt sie dir fertig auf die Hand. Alles, was du tun kannst, ist sie so gut wie möglich auszuspielen.“ Anderen Patienten rät er: „Informieren Sie sich im Internet über den speziellen Tumortyp und neue Behandlungsmöglichkeiten, holen Sie die Meinung anderer Ärzte ein. Kurz gesagt: steigen Sie wieder in den Sattel und fahren Sie weiter!“

Doch im Mai 2007 tauchte der bösartige Tumor erneut auf. Trotz des Rückschlags blieb Hassenbusch optimistisch. In der Hoffnung, den Tumor zumindest aufzuhalten, meldete er sich für weitere innovative klinische Studien an. Nach wie vor kümmerte er sich um Anfragen von Patienten, obwohl er inzwischen nicht mehr praktizierte. Er blieb ein vertrauenswürdiger, optimistischer Ansprechpartner und Fürsprecher für Hirntumorpatienten.

Dennoch ging es mit seiner Gesundheit langsam, aber stetig bergab. Die neuen Therapien schlugen nicht an. Im November 2007 zeigten sich erste neurologische Ausfälle und im Dezember stürzte er. Anschließend wurde er bettlägerig und fiel am 23. Februar 2008 ins Koma. Am Dienstag den 26. Februar 2008 verstarb Dr. Samuel Hassenbusch zu Hause, fast drei Jahre nach der Diagnose Glioblastom.

„Dr. Hassenbuschs Tod ist ein schwerer Verlust für uns alle“, sagte Dr. Mark Gilbert, Professor für Neuroonkologie am Anderson Cancer Center und Hassenbuschs langjähriger Freund. „Er war ein hoch geschätzter und sehr beliebter Kollege – begabt, hingebungsvoll, mitfühlend.“ Gilbert fügte hinzu: „Es wäre großartig gewesen, wenn Dr. Hassenbusch zu den Langzeitüberlebenden von zehn oder fünfzehn Jahren gehört hätte. Dass das nicht passierte, schmälert seinen Einsatz als Vorbild und Ansprechpartner für Patienten keineswegs. Stattdessen sollte uns seine Geschichte inspirieren, bessere Behandlungsmethoden zu finden.“

„Er war unglaublich – wie er sich weigerte aufzugeben, wie er weiterhin sein Leben genoss“, sagte sein Sohn Jason Hassenbusch, 27, der das Buch seines Vaters zu Ende bringen und veröffentlichen möchte. „Bis zum letzten Monat hat er immer noch Patienten geholfen, hat ihnen per E-Mail Fragen über Hirntumoren beantwortet. Diese Einstellung zum Leben wollte er der Nachwelt hinterlassen.“

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