Podiumsdiskussion I

Auswahl häufig gestellter Patientenfragen

Prof. Uta Schick
Chefärztin Klinik für Neurochirurgie
Clemenshospital Münster
Prof. Maximilian Ruge
Leiter Onkologische Steoreotaxie & Radiochirurgie
Uniklinikum Köln

 

Wann ist der Einsatz des PET sinnvoll?

Prof. Dr. Maximilian Ruge: Die FET-PET-Diagnostik wird gegenwärtig nur in Spezialzentren angeboten, keineswegs handelt es sich um eine Routinediagnostik. Anders als ein MRT-Befund, den jeder Radiologe nach gewissen Standards auswerten kann, ist die Beurteilung von PET-Daten noch nicht standardisiert.

Eingesetzt wird die PET beispielsweise, um die Zielregion einer bevorstehenden Biopsie zu definieren, wenn der Tumor keine Kontrastmittelaufnahme zeigt. Des Weiteren erleichtert die PET die Unterscheidung zwischen einer Pseudoprogression und einer wirklichen Tumorprogression. Unter einer Pseudoprogression versteht man eine in der MRT-Bildgebung als Tumorwachstum in Erscheinung tretende starke Reaktion des umliegenden Gewebes nach Abschluss einer Radiochemotherapie.

 

Welche Rolle spielen Hormonrezeptoren bei Meningeomen?

Prof. Dr. Uta Schick: Ein gewisser Anteil der Meningeome weist Progesteron- oder Östrogenrezeptoren auf. D.h., diese Tumoren können beschleunigt wachsen, wenn entsprechende Hormonpräparate eingenommen werden. Außerdem ist es möglich, dass ein Menigeom im letzten Drittel der Schwangerschaft, wenn es zu einem massiven Progesteronschub kommt, schneller wächst. Grundsätzlich ist davon abzuraten, Hormonpräparate einzunehmen, wenn dies nicht unbedingt erforderlich ist, z.B. zum Zweck der Verhütung. Im Zweifelsfall sollten die Rezeptoren vom Pathologen bestimmt werden.

 

Inwieweit unterscheiden sich Gamma Knife und Cyberknife?

Prof. Dr. Maximilian Ruge: Es gibt einzelne vergleichende Studien, die keinen wesentlichen Unterschied festgestellt haben. Auch von der technischen Umsetzung her betrachtet, besteht kein großer Unterschied. Man kann sagen, wenn Sie von erfahrenen Fachleuten behandelt werden, hängt das Ergebnis nicht von der eingesetzten Technik ab.

 

Welche Rolle spielt die transkranielle Magnetstimulation?

Prof. Dr. Maximilian Ruge: Die TMS ermöglicht dem Operateur vorab eine Einschätzung, wo bestimmte Strukturen wie die Faserbahnen verlaufen. Dies kann sinnvoll sein, besonders bei Tumoren, die an eloquente Areale grenzen. Sollten gegenwärtige Untersuchungen bestätigen, dass es sich dabei um eine verlässliche Methode handelt, wird sich auch die TMS flächendeckend durchsetzen.

Prof. Dr. Uta Schick: Allerdings sind die dadurch gewonnenen Daten insbesondere dann nicht sehr verlässlich, wenn eine größere Ödemzone am Tumor vorhanden ist. Auch bei dieser Technik zeigt sich, wie wichtig es ist, sich nicht zu sehr auf die Technik zu verlassen.

 

Welche Rolle spielt der Einsatz von 5-ALA?

Prof. Dr. Uta Schick: Da 5-ALA heute keinen großen Kostenfaktor mehr darstellt, wird es recht umfassend eingesetzt. Es ist ein Hilfsmittel im Rahmen der Operation, kein Heilmittel. Es sollte nur bei Operationen eingesetzt werden, bei denen kein hohes Risiko besteht, eloquente Areale zu schädigen. Dann kann 5-ALA das Operationsergebnis tatsächlich verbessern. 5-ALA ist schon seit längerem Standard, aber nicht für alle Anwendungen gleichermaßen sinnvoll.

Prof. Dr. Maximilian Ruge: Was man aber im Hinblick auf 5-ALA sieht, ist, dass sich langfristig etabliert, was in der Praxis gute Ergebnisse zeigt.

 

Wann kommt die Brachytherapie in Betracht?

Prof. Dr. Maximilian Ruge: Die Brachytherapie kommt in Frage bei gut umschriebenen niedriggradigen Tumoren, die man nicht gut operieren kann; außerdem kann der nach einer Operation verbleibende Tumorrest eventuell mittels Brachytherapie behandelt werden.

Pilozytische Astrozytome, die häufig im Kindesalter auftreten, stark in der Mittellinie wachsen und nicht operiert werden können, stellen nach genauer Prüfung häufig eine Indikation für die Brachytherapie dar. Bei malignen Gliomen kommt die Brachytherapie allerdings nur sehr selten in Betracht.

Eine mögliche neue Indikation sind radiochirurgisch behandelte Metastasen, die erneut wachsen und nicht noch einmal bestrahlt oder operiert werden können. Hier könnten die Fallzahlen demnächst ansteigen.

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