Mut und Meter machen

In Laufschuhen immer weiter im Namen seines Bruders

Im April 2015 wurde bei André ein Glioblastom diagnostiziert. „Das ist nur ein Schuss vor den Bug, ich lebe gesünder und alles wird wieder gut,“ sagte er immer. Auch, als die Ärzte ihm sagten, dass der Tumor an einer so ungünstigen Stelle saß, dass er nicht operiert werden konnte. Sein Bruder Mike konnte und wollte die Krankheit Glioblastom nicht so einfach hinnehmen. Er fing an sich zu informieren, um besser verstehen zu können, was der Tumor im Kopf seines Bruders bedeutete. Kurz nach der Entscheidung der Ärzte, nicht zu operieren, besuchte Mike den Hirntumor-Informationstag. Er suchte den Austausch mit Experten, mit anderen Patienten und Angehörigen. Er holte Zweit- und Drittmeinungen ein. Überall dieselbe Antwort: das Risiko bei der Operation wichtige Hirnareale zu beschädigen, überwog den Nutzen einer Operation.

 

Mike versuchte, so gut wie möglich für seinen Bruder da zu sein. „Ich sagte ihm immer wieder, dass ich mich bezüglich der Krankheit belesen habe und er mir jederzeit Fragen stellen kann“, erzählt Mike. Aber sein Bruder hatte keine Fragen, vielleicht wollte er auch nicht fragen. André stand tapfer die Chemotherapie und die Bestrahlung durch. Das Sprechen fiel es ihm zunehmend schwerer. Ein Jahr später der nächste Einschnitt; der erste epileptische Anfall. „Ich kann bis heute nicht wirklich sagen, ob ihm im Laufe der Zeit irgendwann bewusst wurde, wie schwer er erkrankt ist,“ erzählt Mike.

 

 

André wurde von seiner Familie, Freunden und von medizinischem Personal begleitet. Mike erzählt, dass er und seine Familie zunächst Berührungsängste mit dem Thema Palliativmedizin und Hospiz hatten. Im Internet kursiert eine ganze Reihe ziemlich gruseliger Geschichten über schlechte Betreuungssituationen, erzählt Mike. Deshalb scheute sich die Familie zuerst davor, Andrés Wohlbefinden in seinem letzten Lebensabschnitt in fremde Hände zu legen. Ein Irrtum, wie Mike rückblickend sagt: „Ich war sehr positiv überrascht von der herzlichen und professionellen  Betreuung – sowohl für André, als auch für die Angehörigen.“ Mike ist dankbar für die gelungene Unterstützung. „Still und leise“, war sein Bruder vom Wesen her; so hat er sein ganzes Leben gelebt. Still und leise ist er schließlich auch gegangen. In jenem Krankenhaus, in dem er vor einer kleinen Ewigkeit geboren wurde. Mike war in diesem Moment an seiner Seite: „Ich bin froh, dass er auch auf diesem Weg nicht alleine war.“

 

Mike hat seinen Frieden mit dem Tod seines Bruders geschlossen, ist dankbarer als früher und sieht inzwischen nach vorne. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Laufen. Der Hobbysportler läuft nicht einfach so, sondern „Für André“. Das steht vorne, gut sichtbar auf seinem Laufshirt, das er regelmäßig zur Teilnahme an Wettbewerben überstreift. Mike möchte an seinen Bruder erinnern, ihn dabei haben – und etwas zurückgeben: Auf sein T-Shirt hat Mike zudem das Logo der Deutschen Hirntumorhilfe drucken lassen. „Mein Bruder hat so tapfer für seine drei Kinder und seine Mutter gegen den Krebs gekämpft und ich möchte mich mit meiner Aktion dafür bedanken“, sagt er. Er will ein Zeichen setzen, ein stärkeres Bewusstsein für die Erkrankung schaffen für seinen Bruder und für andere Patienten und ihre Familien. Er will andere bewegen nicht unbedingt zum Laufen, aber „vielleicht wird jemand aufmerksam und möchte die eine oder andere Institution unterstützen. Ich weiß, jeder Euro zählt.“ Es geht weiter. Danke, Mike!

 

Sie sind ebenfalls sportlich aktiv und möchten dabei auf die Deutsche Hirntumorhilfe aufmerksam machen? Schicken Sie uns eine E-Mail an info@hirntumorhilfe.de. Wir stellen Ihnen gern die Druckdatei für Ihr eigenes T-Shirt zur Verfügung.

 

 

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