Biopsie

Entnahme einer Gewebeprobe

Die Kenntnis der Histologie ist im Therapiekonzept jeder Tumorerkrankung von entscheidender Bedeutung. Selbst durch die heute zur Verfügung stehenden Methoden der CT, MRT und PET mit höchster Bildgebungsqualität kann die Diagnostik nicht vollständig gesichert werden.

 

In den meisten Fällen ist die weitere Behandlungsplanung von Patienten eng an die histologische Tumordiagnose gebunden. Dabei stellt die, durch die Schnittbildgebung gestützte, stereotaktische Tumorbiopsie wegen der großen Genauigkeit und der geringen Komplikationsrate ein neurochirurgisches Standardverfahren zur Sicherung der Diagnose dar.

 

Dem Patienten wird hierfür zunächst ein Stereotaxiering mit vier Lokalisatoren am Kopf angebracht. Diese Lokalisatoren beschreiben einen rechteckigen Raum, in dem jeder Punkt durch eine genaue, computerermittelte Angabe der Höhe, Breite und Tiefe beschrieben werden kann. 

 

Mit Hilfe dieser Koordinaten wird das Areal des Tumors im Kopf des Patienten als Ziel ausgewählt. So kann millimetergenau biopsiert werden. Es folgen eine minimale Rasur des Kopfhaares sowie ein Hautschnitt von wenigen Zentimetern zur Freilegung des Schädelknochens. Nun kann der Neurochirurg mit der Anlegung des Bohrloches (kleiner 1 cm Durchmesser) beginnen und unter Führung der stereotaktischen Halterung mit Hilfe einer Kanüle Gewebeproben aus den Zielbereichen entnehmen.

 

Es werden häufig mehrere Proben ausgehend vom Zentrum der Läsion entnommen, beispielsweise in 4 Richtungen (je 90° versetzt im Abstand von 1 cm), um alle Bereiche des betroffenen Gewebes zu erfassen. So lässt sich ein repräsentativer histologischer Querschnitt erstellen und eine Untergradierung bei Gliomen durch die Biopsie von Randbereichen vermieden.

 

Zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose werden die Gewebeproben routinemäßig im Operationssaal vom anwesenden Neuropathologen entgegen genommen, histochemisch gefärbt und mikroskopisch analysiert. In einigen Fällen können sich zudem Untersuchungen der genetischen Zusammensetzung anschließen.

 

Um sicher zu stellen, dass die Gewebeproben tatsächlich aus der angezeigten Läsion stammen, werden nach der Biopsie häufig Titankügelchen an der Biopsiestelle hinterlassen. Dies lässt sich später in den Kontrollbildern der CT oder MRT am Ort der Gewebeentnahme wiederfinden und sichert die Qualität der Biopsien.

 

Eine durch die Schnittbildgebung gestützte Gewebeentnahme und –untersuchung stellt das exakteste diagnostische Mittel zur Beurteilung und Klassifikation von angezeigten Läsionen dar. Die diagnostische Aussagekraft der stereotaktischen Biopsie wird in der Literatur mit etwa 90% angegeben.

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